Zwei Smartmeter am Deye HV 50 einbinden – so gelingt die Kombination mit einem Bestands-Wechselrichter
Praxiswissen aus der Montage: Wird ein Deye HV 50 Hybrid-Wechselrichter in eine Anlage integriert, in der bereits ein anderer Wechselrichter einspeist, braucht es zwei Smartmeter: eines am Netzanschlusspunkt und eines am Ausgang des Fremd-Wechselrichters. Nur dann kennt der Deye den tatsächlichen Verbrauch, die gesamte PV-Leistung und die Einspeisung – und kann den Speicher korrekt steuern. In dieser Anleitung zeigen wir Schritt für Schritt, wie die Einbindung funktioniert, welche Einstellungen nötig sind und wo der typische Stolperstein liegt.
Sicherheitshinweis: Alle beschriebenen Arbeiten dürfen ausschließlich von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden. Vor Arbeiten an Zähler- oder Wechselrichteranschlüssen ist die Anlage spannungsfrei zu schalten und gegen Wiedereinschalten zu sichern.
Warum überhaupt zwei Smartmeter?
Ein Hybrid-Wechselrichter wie der Deye HV 50 regelt seinen Speicher anhand der Messwerte am Netzanschlusspunkt. Steht in der Anlage zusätzlich ein Bestands-Wechselrichter (z. B. eine ältere PV-Anlage ohne Speicher), sieht der Deye dessen Erzeugung am Netzanschlusspunkt nur indirekt – als reduzierten Bezug oder als Einspeisung. Er kann dann nicht unterscheiden, ob die Einspeisung von seinen eigenen Strings oder vom Fremd-Wechselrichter stammt.
Die Lösung: Ein zweites Smartmeter misst direkt den Ausgang des Fremd-Wechselrichters. Der Deye addiert diesen Wert zu seiner eigenen PV-Leistung und hat damit ein vollständiges Bild:
Smartmeter A (Netzanschlusspunkt / „Wurzel“) – misst Bezug und Einspeisung Richtung Netz.
Smartmeter B (Fremd-Wechselrichter) – misst die Erzeugung des anderen Wechselrichters, die als zusätzliche PV-Leistung gezählt wird.
Übersicht: Die Arbeitsschritte im Kurzformat
Smartmeter B am Ausgang des Fremd-Wechselrichters anschließen
Im Deye die Funktion Grid Tie Meter2 aktivieren
Kommunikation prüfen (Hörer-Symbol im Display)
Smartmeter A am Netzanschlusspunkt anschließen
Im Deye Ex_Meter For CT aktivieren
Kommunikation erneut prüfen
Zählertyp einstellen (Eastron-Meter)
Modbus-Adressen unterscheiden – Smartmeter B auf Adresse 2 setzen
Vorzeichen der Messwerte kontrollieren
Funktionstest mit dem Betriebsmodus Selling First
Nachfolgend die einzelnen Schritte im Detail.
Schritt 1: Smartmeter B am Fremd-Wechselrichter anschließen
Das erste Smartmeter wird so montiert, dass es ausschließlich die Ausgangsleistung des Bestands-Wechselrichters erfasst. Die Stromwandler (CTs) kommen also auf die AC-Leitung des Fremd-Wechselrichters, nicht auf die Hauptleitung. Die RS485-Kommunikation (A/B) wird zum Meter-Anschluss des Deye geführt.

Schritt 2: „Grid Tie Meter2“ im Deye aktivieren
Im Menü des Deye HV 50 unter Advanced Function wird die Option Grid Tie Meter2 aktiviert. Damit teilt man dem Wechselrichter mit, dass ein zweites Meter einen zusätzlichen netzgekoppelten Erzeuger misst.

Schritt 3: Kommunikation prüfen – das Hörer-Symbol
Sobald der Deye Daten vom Smartmeter empfängt, erscheint im Display ein Telefonhörer-Symbol. Fehlt das Symbol, besteht keine Verbindung: In diesem Fall RS485-Verdrahtung (A/B nicht vertauscht?), Baudrate und Adresse kontrollieren, bevor es weitergeht.
Schritt 4: Smartmeter A am Netzanschlusspunkt anschließen
Das zweite Smartmeter kommt an die „Wurzel“ der Anlage, also direkt hinter den Netzzähler an den Netzanschlusspunkt. Es erfasst den gesamten Leistungsfluss zwischen Gebäude und Netz. Auch dieses Meter wird über RS485 auf denselben Meter-Anschluss des Deye geführt – beide Zähler hängen damit auf einem gemeinsamen Bus.
Schritt 5: „Ex_Meter For CT“ aktivieren
Ebenfalls unter Advanced Function wird nun Ex_Meter For CT aktiviert. Damit nutzt der Deye das externe Smartmeter am Netzanschlusspunkt anstelle der eigenen Stromwandler als Referenz für Bezug und Einspeisung.

Schritt 6: Kommunikation erneut prüfen
Nach dem Anschluss des zweiten Meters wieder auf das Hörer-Symbol achten. Spätestens jetzt zeigt sich, ob beide Zähler sauber auf dem Bus antworten – oder ob es zu dem im nächsten Abschnitt beschriebenen Fehler kommt.
Schritt 7: Zählertyp einstellen
Unter Meter Select wird der passende Zählertyp ausgewählt. In unserem Fall wurde der Zähler als Eastron-Meter eingestellt, da die verwendeten Deye-Smartmeter auf diesem Protokoll basieren. Die Baudrate am Wechselrichter (9600) muss mit der Einstellung am Smartmeter übereinstimmen – diese lässt sich am Meter selbst unter Baud setting kontrollieren.

Schritt 8: Der typische Fehler – zwei Zähler, eine Adresse
Nach dem Anschluss des zweiten Smartmeters kommt es häufig zu einem Kommunikationsfehler. Die erste Reaktion ist meist, RS485 A und B zu kontrollieren – die eigentliche Ursache ist aber fast immer eine andere: Beide Zähler haben ab Werk dieselbe Modbus-Adresse. Auf einem gemeinsamen Bus antworten dann zwei Geräte gleichzeitig, und der Deye kann die Daten nicht zuordnen.
Die Lösung ist einfach: Smartmeter B (Fremd-Wechselrichter) wird auf die Modbus-Adresse 2 gesetzt. Smartmeter A am Netzanschlusspunkt bleibt auf Adresse 1. Die Adresse wird direkt am Smartmeter im Menü geändert.
Zusätzlich wird am Smartmeter der T1 Mode deaktiviert, damit der Zähler im Standardmodus arbeitet.
Schritt 9: Vorzeichen der Messwerte kontrollieren
Damit der Deye die Leistungsflüsse richtig interpretiert, müssen die Messwerte der beiden Zähler das richtige Vorzeichen haben. Das lässt sich am Display des Wechselrichters bzw. an den Zählern direkt prüfen:
Zähler | Position | Erwarteter Wert |
Smartmeter B | Ausgang Fremd-Wechselrichter | Immer positiv bei Erzeugung. Der Wert wird zur PV-Leistung des Deye hinzugezählt. |
Smartmeter A | Netzanschlusspunkt („Wurzel“) | Negativ bei Einspeisung ins Netz, positiv bei Netzbezug (z. B. ohne PV-Erzeugung). |
Stimmen die Vorzeichen nicht, sind in der Regel die Stromwandler falsch herum montiert (Pfeilrichtung beachten) oder die CT-Anschlüsse am Zähler vertauscht.
Schritt 10: Funktionstest mit „Selling First“
Ob die Werte tatsächlich plausibel sind, lässt sich am einfachsten mit dem Betriebsmodus Selling First testen. In diesem Modus gibt der Deye die verfügbare Leistung ins Netz ab. Am Smartmeter A muss dann ein negativer Wert erscheinen – negativ bedeutet Einspeisung. Gleichzeitig sollte die im Deye angezeigte Grid Tie Power in etwa der Ausgangsleistung des Fremd-Wechselrichters entsprechen.


Nach erfolgreichem Test wird der Betriebsmodus wieder auf die für den Kunden gewünschte Strategie umgestellt – etwa Eigenverbrauchsoptimierung mit Speicherladung.
Checkliste zum Abschluss
Hörer-Symbol im Deye-Display dauerhaft sichtbar
Smartmeter A auf Modbus-Adresse 1, Smartmeter B auf Adresse 2
Baudrate 9600 an Wechselrichter und beiden Zählern
Ex_Meter For CT und Grid Tie Meter2 aktiv
T1 Mode am Smartmeter deaktiviert
Smartmeter B liefert positive Werte bei Erzeugung
Smartmeter A liefert negative Werte bei Einspeisung
Grid Tie Power im Deye entspricht der Leistung des Fremd-Wechselrichters
Fazit
Die Einbindung von zwei Smartmetern am Deye HV 50 ist kein Hexenwerk – vorausgesetzt, man kennt die Reihenfolge und den Klassiker unter den Fehlerquellen: die doppelte Modbus-Adresse. Wer die Zähler nacheinander in Betrieb nimmt, nach jedem Schritt das Hörer-Symbol kontrolliert und am Ende die Vorzeichen prüft, hat die Anlage in kurzer Zeit sauber am Laufen. Der Lohn: Der Deye kennt die gesamte Erzeugung inklusive Bestandsanlage und kann den Speicher optimal bewirtschaften.
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Diese Anleitung basiert auf unseren Erfahrungen aus der Praxis und ersetzt nicht die Herstellerdokumentation. Menübezeichnungen und Funktionen können je nach Firmware-Version abweichen. Alle Angaben ohne Gewähr.

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